Willkommen im Guttempler-Museum Mildstedt!

Das Besondere an unserem Museum in Mildstedt

Viele unserer Gäste stellten uns schon die Frage, was eigentlich das Besondere an unserem Haus sei. –

Diese Frage lässt sich tatsächlich nur individuell beantworten, weil jeder einzelne Besucher mit eigenen Informationswünschen, persönlichen oder sachlichen, vielleicht heimatgeschichtlichen, zu uns kommt.

Zu behaupten, unser Haus wäre museumstechnisch etwas Besonderes, wäre sicherlich vermessen. Wer sich nur etwas in der Museunsszenerie auskennt, weiß, mit wieviel Engagement und Liebe viele, viele Museumsgründer an ihrer selbstgewählten Aufgabe hingen und hängen. Dass wir Guttempler einen ebenso leidenschaftlichen Sammler und Ausgestalter unseres Museums unter uns haben, der den Aufbau durchsetzte, ist ein Glücksfall.

Es bleibt aber die Frage nach dem ganz Besonderen.

Ich denke, dass dies in enger Verbindung mit dem einzelnen Gast geschehen muss. Denn die Besucherin, der Besucher – wenn sie bzw. er nicht völlig emotionsfrei lediglich Informationen sammeln will – hat wahrscheinlich einen sehr persönlichen Zugang zu den Ausstellungsstücken, den zahlreichen Exponaten. Da wird beispielsweise Familiengeschichte wieder wach. „Sieh da, unser Großvater! Erinnerst du dich daran, was die Großmutter und er von ihrem Glück in späteren Jahren erzählten. Er, der Alte, war, wie er später freimütig erzählte, sehr dem Alkohol verfallen, ließ seine Familie, trotz aller Bitten, in bitterster Not leben, obwohl er sie eigentlich sehr liebte. Da wurde er plötzlich, ohne dass er richtig begriff, was geschah, von Freunden, die den Weg schon  vor ihm gegangen waren, mit in die Guttemplerloge (wie die Gemeinschaften damals hießen) genommen und  hatte versprochen, frei von berauschenden Getränken zu leben – und hatte dies Versprechen ein Leben lang halten können, trotz des Spotts vieler ehemaliger Mittrinker, und hatte seine Familie aufblühen sehen“ – „Ja, aus langer Rückschau,“ ergänzt der Sohn, werfe ich mir nur vor, dass ich damals nicht mit ihm gegangen bin, aus Dankbarkeit, aber auch, weil ich vielleicht hätte mithelfen können, dass andere Menschen nicht in unnötige Not gerieten.“

Solche oder andere gefühlsgeladenen Ereignisse stehen hinter vielen der Exponate.

Weisen kostbare Einzelstücke auf die festlichen Formen hin, unter denen die Guttempler weltweit – ja, sie arbeiten, 1851 in den USA gegründet, nach wenigen Jahrzehnten in allen Erdteilen – zusammenkamen, so erzählen Protokolle, Arbeitsberichte, Bildersammlungen vom Alltag ebenso wie von besonderen Festtagen.

Immer wieder lässt sich die Dankbarkeit und Opferbereitschaft der glücklichen, auch stolzen Mitglieder erahnen. Manchmal trugen sie auch zuviel Augenblicksoptimismus in sich. So nutzten sie beispielsweise große Summen aus ihrem Privatvermögen, um Räume, Häuser zu finanzieren, die sich irgendwann als nicht haltbar erwiesen.

Und dann andere Beispiele. Wie glücklich wird die Frau gewesen sein, deren Mann ihr die zu einer Brosche mit dem IOGT-Emblem, der Weltkugel, umgearbeitete 3-Reichsmark-Silbermünze schenkte – zu einer Zeit, als ein Wochenlohn oftmals kaum über 10 Reichsmark lag.

Oder die Stander und Fahnen für Umzüge und Sitzungsräume, die von Guttemplerschwestern (die offizielle Bezeichnung für weibliche Mitglieder) angefertigt wurden! Unendlich viele Stunden müssen sie, die Schwestern; dafür aufgewandt haben, aber wieviel Glück und Stolz mögen sie auch in ihre Kunstwerke hineingearbeitet haben! (Übrigens: ein Fachmann schätzte vor einiger Zeit, dass die professionelle Herstellung mancher Fahne heute mehrere  tausend Euro kosten würde).

Ja, was ist das Besondere an unserem Mildstedter Guttemplermuseum? Vielleicht, liebe Besucher, empfinden Sie es nach unseren  kurzen, unvollständigen Betrachtungen, die zum Beispiel die weltweite Zusammenarbeit, die praktische Entwicklungshilfe, die vielfachen Bemühungen, Menschen „aus Nacht zum Licht“ zu führen, wie es in einem alten Guttemplerlied heißt, ebenso wie die Verfasser dieser Zeilen:

Das Besondere ist, unabhängig von den vielen wertvollen, oft uniken Exponaten, die Unmenge von Glück und Freudentränen, von Hoffnungen und Dankbarkeit, die in die prächtige Sammlung eingewoben ist.

Jürgen Klahn

 

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